{"id":142,"date":"2011-06-30T16:57:09","date_gmt":"2011-06-30T14:57:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.aktion-hip.ch\/blog\/?p=142"},"modified":"2011-06-30T16:57:09","modified_gmt":"2011-06-30T14:57:09","slug":"the-political-implications-of-having-fun-while-programming-open-source","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.aktion-hip.ch\/blog\/?p=142","title":{"rendered":"The Political Implications of Having Fun (while Programming Open Source)"},"content":{"rendered":"<p><em>Zusammenfassung meiner <a href=\"http:\/\/ep2011.europython.eu\/media\/conference\/slides\/the-political-implications-of-having-fun-while-programming-open-source.pdf\" target=\"_blank\">Pr\u00e4sentation<\/a> an der <a href=\"http:\/\/ep2011.europython.eu\/\" target=\"_blank\">Europython 2011<\/a>.<\/em><\/p>\n<p><em><!--more--><\/em>Der Spass am Programmieren ist ein wichtiger Treiber daf\u00fcr, dass viele Software Entwickler sich an Open-Source-Projekten beteiligen und mit ihrem Engagement zum Teil grossartige Software f\u00fcr die Allgemeinheit entwickeln. Wenn Spass ein gute Arbeit motivieren kann, kann dieses Prinzip verallgemeinert werden? Kann Spass nicht nur f\u00fcr Open-Source-Programmierer, sondern f\u00fcr Software-Entwickler allgemein oder, besser noch, f\u00fcr alle Werkt\u00e4tigen als Motivator eingesetzt werden?<\/p>\n<p>Um diese Frage zu beantworten, m\u00fcssen die Arbeitsbedingungen genauer unter die Lupe genommen werden. Gibt es Elemente im beruflichen Arbeitsumfeld, welche es verunm\u00f6glichen, dass die Werkt\u00e4tigen Spass bei der Arbeit haben?<\/p>\n<p>In meiner Dissertation (<a href=\"http:\/\/www.dissertationen.unizh.ch\/2006\/luthigerstoll\/diss.pdf\" target=\"_blank\"><em>Spass und Software-Entwicklung<\/em><\/a>) habe ich nachweisen k\u00f6nnen, dass kommerzielle Software-Entwickler tats\u00e4chlich signifikant weniger Spass haben als Programmierer, die in ihrer Freizeit an Open-Source-Projekte arbeiten. Allerdings zeigen meine Forschungsresultate, dass der Grund f\u00fcr diese Unterschiede nicht Eigenheiten des beruflichen Umfelds sind, welche zwangsl\u00e4ufig mit diesem Kontext verbunden sind. Meine Daten zeigen, dass weder Abgabetermine, noch formale Autorit\u00e4t und erst recht nicht die Bezahlung der Leistung sich negativ auf den Spass an der Arbeit auswirken. Massgebend daf\u00fcr, dass Software-Entwickler in kommerziellen Projekten weniger Freude empfinden ist vielmehr der Umstand, dass unter kommerziellen Bedingungen die optimale Herausforderung des Entwicklers weniger beachtet wird und eine Projektvision fehlt. Diese beiden Faktoren bilden eine wichtige Voraussetzung daf\u00fcr, dass die T\u00e4tigkeit Spass machen kann.<\/p>\n<p>Meine Forschungsresultate lassen demnach die Schlussfolgerung zu, dass auch unter kommerziellen Bedingungen Software-Entwickler gleichermassen Spass an der Arbeit haben k\u00f6nnen wie Open-Source-Programmierern. Es gibt aus theoretischer Sicht keinen Grund, dass ein kommerzielles Umfeld die Freude an der Arbeit verhindern oder erschweren k\u00f6nnte. Die Resultate zeigen auch auf, welche Faktoren ber\u00fccksichtigt werden m\u00fcssen, damit dieses Ziel tats\u00e4chlich erreicht werden kann.<\/p>\n<p>Gilt dieser Befund nur f\u00fcr Software-Entwickler oder f\u00fcr berufliche T\u00e4tigkeiten allgemein?<\/p>\n<p>Die letzten 100 Jahre haben die Arbeitswelt in allen entwickelten L\u00e4ndern grundlegend ver\u00e4ndert. Vor 100 Jahren waren die meisten arbeitst\u00e4tigen Menschen in der Landwirtschaft oder der Industrie besch\u00e4ftigt. Mittlerweile arbeiten mehr als 70% der Menschen im Dienstleistungssektor. Gleichzeitig wurde die Bedeutung der Ausbildung f\u00fcr die Arbeitst\u00e4tigkeit immer wichtiger. Heute leben und arbeiten wir in einer Wissensgesellschaft.<\/p>\n<p>Der Begriff \u201eWissensgesellschaft\u201c wurde von Peter Drucker eingef\u00fchrt. Drucker war ein Pionier der modernen Managementlehre und seine Wirkung auf die Management-Theorie ist immer noch deutlich sp\u00fcrbar. Mit dem Begriff \u201eWissensgesellschaft\u201c wies Drucker auf den Umstand hin, dass sich die moderne Arbeitsgesellschaft fundamental von der Industriegesellschaft unterscheidet, welche im Wesentlichen durch manuelle T\u00e4tigkeiten bestimmt war. In der modernen \u00d6konomie ist der Handarbeiter durch den Kopfarbeiter ersetzt worden.<\/p>\n<p>Dieser Sachverhalt spielt in einer arbeitsteiligen Gesellschaft eine wesentliche Rolle. In einem Unternehmen mit Eigent\u00fcmern und Angestellten besteht das Problem, dass die Angestellten eigene Interessen haben und nicht unbedingt im Sinne des Unternehmens arbeiten. Der Arbeitgeber hat zwei M\u00f6glichkeiten, die Angestellten dazu zu bringen, dass sie zum Unternehmensziel beitragen: er kann entweder <em>Kontrolle<\/em> aus\u00fcben oder er kann versuchen, die <em>Loyalit\u00e4t<\/em> der Angestellten zu gewinnen. In der Industriegesellschaft, bei manuellen T\u00e4tigkeiten ist die Aus\u00fcbung von Kontrolle eine m\u00f6gliche und g\u00e4ngige Option. Die Arbeiter bekommen einen Plan vorgelegt, in welchem quantitative Ziele festgelegt sind, welche der Arbeiter zu erreichen hat. Eine Zielabweichung wird festgestellt und auf irgendwelche Weise sanktioniert.<\/p>\n<p>In der Wissensgesellschaft ist eine solche Art von Kontrolle kaum noch durchf\u00fchrbar. Ein Merkmal der Wissensgesellschaft ist, dass die einfache, repetitive Arbeit weitgehen wegrationalisiert worden ist. F\u00fcr den Arbeitgeber ist nicht mehr massgebend, was der Angestellte gemessen an einem vordefinierten, quantitativ messbaren Plan vollbringen kann. Solche Arbeiten kann auch eine Maschine erledigen. Wesentlich ist, was der Angestellte flexibel, unkontrolliert und kreativ leisten kann. Mit solchen Eigenschaften hebt sich der moderne Angestellte von Maschinen und von anderen Angestellten ab. Die F\u00e4higkeit der Angestellten, auf ungeplante und ungewohnte Situationen reagieren zu k\u00f6nnen, ist vor allem unter Wettbewerbsbedingungen ein zentraler Erfolgsfaktor. Es sind solche Mitarbeiter, welche es dem Unternehmen erm\u00f6glichen, sich von der Konkurrenz abzuheben und einen Wettbewerbsvorsprung zu erreichen.<\/p>\n<p>Wie kann nun ein Unternehmen seine Angestellten dazu verpflichten, am Unternehmenserfolg zu arbeiten, wenn es nicht kontrollieren kann, was sie leisten? Als einzige M\u00f6glichkeit bleibt der Versuch, die Loyalit\u00e4t der Angestellten zu gewinnen. Loyale Mitarbeiter tragen aus eigenem Antrieb zum Unternehmensziel bei. Sie leisten mehr als Planerf\u00fcllung, sondern sorgen sich beispielweise um das Arbeitsklima, den Ruf des Unternehmens oder steuern Ideen bei, wie Verbesserungen erreicht werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ein Unternehmen kann die Loyalit\u00e4t seiner Angestellten weder einfordern noch kaufen. Loyalit\u00e4t ergibt sich aus einem Austausch: die Mitarbeiter geben ihre Loyalit\u00e4t, wenn der Arbeitgeber seinerseits bereit ist, das Potential des Mitarbeiters zu f\u00f6rdern. Wo der Mitarbeiter anerkannt ist, wo seine Arbeit gew\u00fcrdigt wird, wo er sich entfalten kann, da ist er loyal.<\/p>\n<p>Nun sind das genau jene Voraussetzungen, welche es dem Angestellten erm\u00f6glichen, Spass an seiner Arbeit zu haben. Wenn sich der Angestellte entfalten kann, dann hat er offensichtlich eine Herausforderung, die seinem K\u00f6nnen angepasst ist, und er weiss, wof\u00fcr er arbeitet, hat also eine wir auch immer geartete Vision.<\/p>\n<p>Aus diesen \u00dcberlegungen ergibt sich somit die Schlussfolgerung, dass in der arbeitsteiligen Wissensgesellschaft die Arbeit nicht nur f\u00fcr Software-Entwickler, sondern f\u00fcr die Angestellten allgemein Spass machen kann. Im eigenen, langfristigen Interessen suchen die Arbeitgeber nach der Loyalit\u00e4t der Angestellten und geben diesen, als Gegenleistung, die M\u00f6glichkeit, sich am Arbeitsplatz zu entfalten. Weil und indem sie dies tun, schaffen sie die Voraussetzungen daf\u00fcr, dass die Arbeit Spass macht.<\/p>\n<p>Diese \u00dcberlegungen sind keine Vision, sondern eine Praxis, welche in vielen modernen und erfolgreichen Unternehmen beobachtet werden kann. Allerdings gibt es auch viele Firmen, welche meilenweit von einem solchen Zustand entfernt sind. Solche Arbeitgeber legen wenig Wert auf das Potential die F\u00e4higkeiten ihrer Angestellten, entsprechend schlecht ist das Arbeitsklima und die Arbeitsleistung der Angestellten.<\/p>\n<p>Was sind die politischen Implikationen solcher \u00dcberlegungen?<\/p>\n<p>Wo die Arbeit Spass macht, ist der linke Kampfruf von der \u201eBefreiung von der Arbeit\u201c offensichtlich \u00fcberholt. F\u00fcr eine Wissensgesellschaft massgebend ist vielmehr die \u201eBefreiung in der Arbeit\u201c. Es geht nicht darum, die Bev\u00f6lkerung m\u00f6glichst fr\u00fch von der Arbeit zu befreien und in ein Rentensystem zu versorgen, sondern es geht darum, sich Gedanken \u00fcber Qualit\u00e4t der Arbeit zu machen. Unter welchen Bedingungen ist es m\u00f6glich, dass alle Werkt\u00e4tige in der Wissensgesellschaft Freude an der Arbeit empfinden k\u00f6nnen?<\/p>\n<p>Wenn wir uns \u00fcber die Qualit\u00e4t der Arbeit Gedanken machen, so m\u00fcssen wir konsequenterweise auch darauf bestehen, dass durch die Arbeit Wert geschaffen wird, und wir m\u00fcssen den durch die Arbeit erzeugten Wert w\u00fcrdigen. Wenn wir das Produkt der Arbeit geringsch\u00e4tzen, wird es uns kaum gelingen, die Arbeit als solche zu sch\u00e4tzen.<\/p>\n<p>All diese \u00dcberlegungen basieren auf der Feststellung, dass wir in einer Wissensgesellschaft leben und arbeiten. Sie setzen also voraus, dass wir Teil der Wissensgesellschaft sind. Dies setzt wiederum eine entsprechende Ausbildung voraus. Ein hochwertiges Bildungswesen ist eine der wichtigsten Voraussetzung daf\u00fcr, dass die Menschen B\u00fcrger der Wissensgesellschaft werden und Spass an ihrer Arbeit haben k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zusammenfassung meiner Pr\u00e4sentation an der Europython 2011.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,9],"tags":[],"class_list":["post-142","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-liberal","category-opensource"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.aktion-hip.ch\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/142","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.aktion-hip.ch\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.aktion-hip.ch\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.aktion-hip.ch\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.aktion-hip.ch\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=142"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.aktion-hip.ch\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/142\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":144,"href":"https:\/\/www.aktion-hip.ch\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/142\/revisions\/144"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.aktion-hip.ch\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=142"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.aktion-hip.ch\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=142"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.aktion-hip.ch\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=142"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}