{"id":267,"date":"2014-09-19T16:15:20","date_gmt":"2014-09-19T14:15:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.aktion-hip.ch\/blog\/?p=267"},"modified":"2014-09-19T16:15:20","modified_gmt":"2014-09-19T14:15:20","slug":"die-grosse-unruhe-in-den-startlochern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.aktion-hip.ch\/blog\/?p=267","title":{"rendered":"Die grosse Unruhe in den Startl\u00f6chern"},"content":{"rendered":"<p><em>Wohl noch selten ist eine Krise derart erwartet worden wie die N\u00e4chste. Alle wissen, dass die Finanzmarktkrise 2008 und die Schuldenkrise 2010 nur notd\u00fcrftig \u00fcberkleistert worden ist. Alle warten nun auf den richtigen Ausl\u00f6ser f\u00fcr den n\u00e4chsten Crash.<\/em><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Was dieser Ausl\u00f6ser sein wird, weiss keiner. Deshalb ist es unm\u00f6glich, den Zeitpunkt des Absturzes vorherzusagen. Es kann irgendein Anlass sein. Was im vornherein \u00fcber diesen Ausl\u00f6ser gesagt werden kann, ist folgendes: Er muss erstens genug Erschreckungspotential aufweisen. Es muss ein Ereignis sein, bei welchem gen\u00fcgend viele Personen denken: \u201eSo, das ist es jetzt\u201c. Es muss ein Startschuss sein, welcher die Herde in eine wilde Panik versetzt. Das zweite Merkmal, welches der n\u00e4chste Absturz aufweisen wird, betrifft das Verhalten der Zentralbanken. Wiederum werden diese versuchen, mit neuen unorthodoxen Massnahmen die Situation zu beruhigen. Nur werden diesmal f\u00fcr alle erkennbar solche Massnahmen keinerlei positive Auswirkungen zeigen. Die Wunderwaffen der Zentralbanken sind stumpf geworden.<\/p>\n<p>Wie der erste Tag nach der n\u00e4chsten Krise aussehen wird, ist ebenso im Dunkeln wie sein Zeitpunkt. Bloss eines ist klar: alle werden aus ihren L\u00f6chern gekrochen kommen und ihre Zeigfinger erheben und anklagen, sie h\u00e4tten es schon immer gewusst. Als n\u00e4chstes werden sie ihre Zeigfinger auf eine lange Liste legen und uns zu verstehen geben, was die Ursachen dieser neuen Krise sei. Zuf\u00e4llig tauchen auf dieser Liste genau jene Punkte auf, wogegen diese Personen schon immer angek\u00e4mpft haben. Mit anderen Worten: die n\u00e4chste Krise wird all jene Personen aus dem Busch locken, die schon fr\u00fcher als Querulanten und Schwarzmaler bekannt waren. Es sind die Populisten und M\u00f6chtegern-Revolution\u00e4re, die als erste aus ihren Startl\u00f6chern kommen. Sie haben es schon immer gewusst und das neu gewonnene Publikumsinteresse wird sie in h\u00f6chste Erregung versetzen und ihren Aktivismus auf ein Spitzenniveau treiben.<\/p>\n<p>Wie bei allen Krisen werden auch bei der N\u00e4chsten die Armen die ersten sein, welche unter die R\u00e4der kommen. Arme Menschen verf\u00fcgen nicht \u00fcber die Ressourcen, um sich gegen Schocks zu sch\u00fctzen. Sie sind den \u00c4nderungen, die durch die Krise ausgel\u00f6st werden, unmittelbar ausgesetzt. Wohlhabende Personen dagegen haben ein Schutzpolster. Sie k\u00f6nnen ihre Ressourcen einsetzen, um dem unmittelbaren Schock auszuweichen. Sie k\u00f6nnen sich Zeit verschaffen, um sich an die ge\u00e4nderten Bedingungen in der Krisensituation anzupassen. Reichtum besteht in diesem Fall nicht nur in materiellen Ressourcen. Auch soziale Ressourcen, ein funktionierendes soziales Netz beispielsweise, kann in einer solchen Krisensituation Schutz bieten.<\/p>\n<p>Gef\u00e4hrdet sind auch Personen, welche sich einen gewissen materiellen Wohlstand vorgaukeln, indem sie sich ihren Konsum \u00fcber Schulden finanzieren. Wie L\u00e4nder mit einem grossen Schuldenberg haben auch Personen mit vielen Privatschulden im Fall eines Wirtschaftsschocks keinerlei Widerstandsf\u00e4higkeit.<\/p>\n<p>Die Situation solcher Personen hat Ursachen, die als pervers bezeichnet werden m\u00fcssen. Ob eine Person sich in Schulden st\u00fcrzt, h\u00e4ngt nicht nur von ihrem Verhalten oder ihren Bed\u00fcrfnissen ab, sondern auch davon, wie leicht es ist, Schulden zu machen. Wenn das Geld fast nichts kostet, wie das in den letzten Jahren der Fall war, so werden die Akteure zu riskantem Verhalten verleitet, Schuldner werden belohnt und Sparer bestraft.<\/p>\n<p>Die Zentralbanken wollten mit diesen Eingriffen den Krisenstaaten Zeit schenken, damit diese ihren maroden Staatshaushalt sanieren und Massnahmen gegen die strukturellen Probleme ergreifen k\u00f6nnten. Auf diese Weise sollte die Basis f\u00fcr ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum gelegt werden. Dies ist allerdings bisher nur in den seltensten F\u00e4llen geschehen. Stattdessen wurden die Konsumenten verleitet, auf der Welle des billigen Geldes mitzureiten und sich in Schulden zu st\u00fcrzen.<\/p>\n<p>Mit anderen Worten: Die Schuldenkrise der L\u00e4nder hat zu einer Schuldenkrise der Privathaushalte gef\u00fchrt, wobei die Zentralbanken mit ihren unorthodoxen Massnahmen den Transmissionsriemen f\u00fcr diese Entwicklung lieferten. Als Folge davon agieren nicht nur auf der Makro-, sondern auf der Mikro-Ebene sehr viele Akteure weitgehend ungesch\u00fctzt. Im Falle eines n\u00e4chsten Schocks sind all diese Akteure extrem absturzgef\u00e4hrdet.<\/p>\n<p>Diese Entwicklung ist aus folgendem Grund problematisch: Personen, welche mit billigem Geld verf\u00fchrt werden k\u00f6nnen, sich in Schulden zu st\u00fcrzen, werden im n\u00e4chsten Crash ebenso mit billigen Schuldzuweisungen und Heilsversprechungen verf\u00fchrt werden k\u00f6nnen, hinter neuen F\u00fchrern herzulaufen. Sie werden das Fussvolk bilden, welches den Populisten applaudiert, wenn diese ihnen erkl\u00e4ren, ihre Probleme seien durch irgendwelche b\u00f6sen M\u00e4chte oder schlechten Systeme verursacht, nur nicht durch ihr eigenes unvorsichtiges Verhalten. Wer heute dem billigen Geld verf\u00e4llt, wird kaum in der Krise zur Besinnung kommen und seine Situation mit Geduld und Mass bereinigen. Viel eher wird er jeden Strohhalm ergreifen, der ihm mit dem Versprechen hingehalten wird, er k\u00f6nne schnell und schmerzlos der Misere entfliehen, auch wenn solche Versprechen nur kurzlebig sind.<\/p>\n<p>Jede Krise hat auch ihre Profiteure. Die einen profitieren materielle, indem sie beispielsweise billig den Besitz von Personen, welche in Not geraten sind, \u00fcbernehmen k\u00f6nnen. Andere spielen sich als Weltverbesserer und missbrauchen die Not der Krisenopfer, um ihr politisches Programm durchzusetzen. Sie bieten sich als R\u00e4cher f\u00fcr die erlittene Not solcher Personen an und versprechen, Gerechtigkeit wiederherzustellen. Durch sie wird die Krise zu einem N\u00e4hrboden f\u00fcr radikale Kr\u00e4fte, welche gesellschaftliche Experimente mit ungewissem Ausgang wagen wollen.<\/p>\n<p>Ich hoffe trotzdem, dass auch in der n\u00e4chsten Krise der gesellschaftliche Zusammenhalt in der Schweiz gross genug ist und wir nicht in einem Akt der Ungeduld und Dummheit die Grundlagen unseres Wohlstands aufs Spiel setzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wohl noch selten ist eine Krise derart erwartet worden wie die N\u00e4chste. Alle wissen, dass die Finanzmarktkrise 2008 und die Schuldenkrise 2010 nur notd\u00fcrftig \u00fcberkleistert worden ist. 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