{"id":320,"date":"2017-02-17T17:07:37","date_gmt":"2017-02-17T15:07:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.aktion-hip.ch\/blog\/?p=320"},"modified":"2017-02-17T17:07:37","modified_gmt":"2017-02-17T15:07:37","slug":"empathie-und-ein-geschmack-von-korruption","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.aktion-hip.ch\/blog\/?p=320","title":{"rendered":"Empathie und ein Geschmack von Korruption"},"content":{"rendered":"<p><em>Ist Empathie ein schlechter Wegweiser f\u00fcr menschliches Engagement? Diese Auffassung vertritt der Psychologie-Professor Paul Bloom in einem Artikel, welcher im Folio zum Thema \u00abMitgef\u00fchl\u00bb (Februar 2017) ver\u00f6ffentlicht wurde. Argumentativ \u00fcberzeugend weist Bloom auf diverse Fallgruben hin, in welche wir st\u00fcrzen k\u00f6nnen, wenn wir uns vom Mitgef\u00fchl leiten lassen.<\/em><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Das Mitgef\u00fchl richtet den Scheinwerfer auf ein bestimmtes Einzelschicksal und blendet damit die Vielzahl \u00e4hnlich gelagerter F\u00e4lle aus. Wird der Person im Schweinwerfer geholfen, breitet sich Zufriedenheit aus. Doch das Leid der weiteren Personen verbleibt unver\u00e4ndert. Zudem leuchtet der Scheinwerfer des Mitgef\u00fchls nur bestimmte Aspekte eines Schicksals aus. Weiter kann uns Mitgef\u00fchl veranlassen, die Betroffenen vor jeglichen Anstrengungen zu sch\u00fctzen. Dies auch in F\u00e4llen, wo es f\u00fcr die betroffenen Personen besser w\u00e4re, gewisse Anstrengungen zu bew\u00e4ltigen (unter geeigneter Anleitung), damit diese Personen in der Lage sind, ihr Schicksal in die eigenen H\u00e4nde zu nehmen.<\/p>\n<p>Ausserdem kann Mitgef\u00fchl von skrupellosen Personen missbraucht werden. Die Bilder von hungernden Kindern l\u00f6sen einen steten Strom von Spendengeldern aus. Statt dass die Politiker, welche nicht in der Lage sind, f\u00fcr ihre Bev\u00f6lkerung stabile und wohlstandssteigernde Institutionen zu schaffen, f\u00fcr ihr Versagen bestraft werden, werden sie durch ausl\u00e4ndische Unterst\u00fctzung belohnt.<\/p>\n<p>Empathie hat in linken Kreisen einen unglaublich hohen Stellenwert. Es erstaunt deshalb nicht, dass gegen Blooms \u00dcberlegungen im linken Politmagazin p.s. emp\u00f6rt protestiert wurde (<a href=\"http:\/\/www.pszeitung.ch\/empathie\/\">Ina M\u00fcller im p.s. 2017\/05<\/a>). Blooms Argumente werden pauschal und ohne weitere Begr\u00fcndung als pseudohistorisch und pseudopolitisch verunglimpft.<\/p>\n<p>Auch wenn Personen, welche ehrlich an einer gerechten und wohlhabenden Gesellschaft interessiert ist, sich von solchen emotionalen Ausbr\u00fcchen abschrecken lassen, lohnt sich f\u00fcr einmal eine Auseinandersetzung mit der Argumentationsweise, welche die linke Autorin f\u00fcr ihre Kolumne bem\u00fcht.<\/p>\n<p>Die Autorin fragt sich: \u00abWozu taugt eine Ethik, die die Menschlichkeit nicht absolut setzt, sondern je nach Wirtschaftlichkeit relativiert?\u00bb<\/p>\n<p>Was will die Autorin mit dieser rhetorischen Frage bezwecken? Was heisst das, die Menschlichkeit absolut setzen?<\/p>\n<p>Mit dieser argumentativen Vorgehensweise richtet die Autorin ein Tabu ein. Wer versucht, im Falle von Krisensituationen und dem Leiden vieler Menschen nach Optionen zu suchen und die Vor- und Nachteile verschiedener M\u00f6glichkeiten abzusch\u00e4tzen, arbeitet kaltherzig und somit \u00abunmenschlich\u00bb. Pl\u00e4diert die Autorin dagegen f\u00fcr ein direktes, un\u00fcberlegtes, vom unmittelbaren Gef\u00fchl geleitetes Vorgehen? Zu vermuten ist das. In einer Notsituation muss sofort gehandelt werde, ohne zu \u00fcberlegen!<\/p>\n<p>Es ist ein beliebtes Feindbild, welches die Autorin in Anschlag bringt. Die Frage nach Wirksamkeit ist kaltherzig. Wer hilft, der hat Gef\u00fchle, und das muss honoriert werden, absolut, jederzeit und \u00fcberall. Dies soll selbst dann gelten, wenn Hilfe gut gemein, deren Folgen aber kontraproduktiv sind. Wer solches postuliert, installiert ein Denkverbot.<\/p>\n<p>Liberal denkende Menschen hegen einen gewissen Argwohn dem Staat gegen\u00fcber. Zentrale Strukturen sind immer m\u00e4chtige Strukturen und nirgends sind diese so zentral, wie wenn sie staatlich organisiert sind. Wir wissen, dass die moderne Gesellschaft staatliche Strukturen braucht, damit Sicherheit und Wohlstand m\u00f6glich werden. Umso mehr dr\u00e4ngen wir darauf, dass staatliches Handeln etablierten Regeln folgt. Nur regelbasiertes Verhalten macht Gewaltentrennung und damit eine Kontrolle der staatlichen Macht m\u00f6glich. Wer Regeln befolgt, handelt im Einzelfall hartherzig. Wer umgekehrt im obigen Sinn \u00abempathisch\u00bb handelt, bricht die Regeln im Einzelfall. Das mag f\u00fcr den einzelnen Betroffenen, welcher im jeweiligen Fall vom Regelbruch profitiert, menschlich erscheinen. F\u00fcr all jene, welche von solchen Regelbr\u00fcchen nicht profitieren k\u00f6nnen, erscheint es willk\u00fcrlich.<\/p>\n<p>Ein Beispiel gef\u00e4llig? Es ist wohl kein Zufall, dass st\u00e4dtische verwaltete Liegenschaften ein Dauerproblem mit der Belegung ihrer Liegenschaften haben. Die Diskrepanz zwischen Absicht (Wohnraum f\u00fcr schw\u00e4chere Mitglieder der Gesellschaft) und Resultat ist offensichtlich. Die Klientel der links-gr\u00fcnen W\u00e4hlerschaft ist in diesen Liegenschaften massiv \u00fcbervertreten und belegt st\u00e4dtische Wohnungen auch dann noch, wenn die Bedingungen daf\u00fcr schon l\u00e4ngst hinf\u00e4llig geworden sind. Hier zahlt sich ein guter Draht zu den entsprechenden Veraltungsangestellten und ein gewisser empathischer Nachdruck unmittelbar aus.<\/p>\n<p>Die Empathie, welche solchen Regelbruch legitimiert, hat einen h\u00e4sslichen Beigeschmack, und dieser heisst Korruption.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ist Empathie ein schlechter Wegweiser f\u00fcr menschliches Engagement? 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