{"id":412,"date":"2021-11-12T11:10:25","date_gmt":"2021-11-12T09:10:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.aktion-hip.ch\/blog\/?p=412"},"modified":"2021-11-12T11:10:25","modified_gmt":"2021-11-12T09:10:25","slug":"diese-inflation-markiert-den-anfang-der-nachsten-krise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.aktion-hip.ch\/blog\/?p=412","title":{"rendered":"Diese Inflation markiert den Anfang der n\u00e4chsten Krise"},"content":{"rendered":"\n<p>Lange Zeit sind wir in den westlichen L\u00e4ndern von einer Inflation verschont geblieben. Das hat sich in diesem Jahr ge\u00e4ndert. Die Inflation werde nur von kurzer Dauer sein, versuchen uns die Chefs der Notenbanken zu beruhigen. Dieses Versprechen d\u00fcrfte aus zwei Gr\u00fcnden falsch sein.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Der erste Grund f\u00fcr eine l\u00e4nger andauernde Inflation sind\ndie Probleme in den weltweiten Lieferketten. Eine wesentliche Ursache f\u00fcr diese\nProbleme ist die graduelle Entkopplung Chinas aus dem Weltmarkt. Diese\nEntkopplung ist politisch begr\u00fcndet und wird in absehbarer Zeit nicht revidiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotz den Interventionen, welche die Notenbanken in der\nFolge der Finanzmarkt- und europ\u00e4ischen Schuldenkrise starteten, gab es in den\nletzten 20 Jahren in den industrialisierten westlichen L\u00e4ndern keine\nnennenswerte Inflation. Angesichts einer Zunahme der Geldmenge in einem noch\nnie gesehenen Ausmass warnten Experten wiederholt vor einer Inflation. Weshalb\nwurde diese Erwartung bisher nicht erf\u00fcllt?<\/p>\n\n\n\n<p>Ausser im Luxussegment reagieren die Konsumenten sehr\nsensibel auf Preissignale. Gibt es bei einem Produkt Preiserh\u00f6hungen, erwarten\ndie Konsumenten mehr Qualit\u00e4t, sonst weichen sie auf ein Konkurrenzprodukt aus.\nDiese Erwartungshaltung auf K\u00e4uferseite verhinderte in den letzten Jahren eine\nInflation.<\/p>\n\n\n\n<p>Umgekehrt herrschte auch auf Anbieterseite kein\nInflationsdruck. Einerseits erlaubten die harten Wettbewerbsbedingungen den\nAnbietern keine Preiserh\u00f6hungen. Andererseits konnten die Anbieter dank\nkonstanten Innovationen, vor allem getrieben durch die Digitalisierung, ihre\nProduktivit\u00e4t erh\u00f6hen. Auf Grund dieser gesteigerten Produktivit\u00e4t konnten die\nProduzenten Gewinne erwirtschaften, ohne die Preise ihrer Produkte zu erh\u00f6hen.\nDiese sch\u00f6ne Wirtschaftswelt f\u00fcr Produzenten und Konsumenten kommt nun zu einem\nEnde.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit den Lieferengp\u00e4ssen haben die Anbieter ein gutes und\nnachvollziehbares Argument f\u00fcr Preiserh\u00f6hungen zur Hand. Weil alle beteiligten\nParteien eine Inflation erwarten, handeln sie entsprechend. Dies heizt die\nLohn-Preis-Spirale erst richtig an. Die Angestellten und Gewerkschaften fordern\nh\u00f6here L\u00f6hne. Diese werden ihnen (vielleicht mit Abschl\u00e4gen) gew\u00e4hrt, weil die\nFirmen davon ausgehen, die erh\u00f6hten Produktionskosten auf die Preise \u00fcberw\u00e4lzen\nzu k\u00f6nnen. Die Inflation ist da und sie wird sich nicht auf Grund irgendwelcher\nBasiseffekte verfl\u00fcchtigen. Die Inflation ist da, weil und solange die\nentsprechenden Inflationserwartungen da sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Nebe Lieferkettenproblemen, verursacht durch Chinas\nge\u00e4nderter Einbindung im Weltmarkt, gibt es noch einen zweiten Grund, welcher\nden Anbietern Preiserh\u00f6hungen erlaubt. Im Gefolge der Covid-Pandemie\nbeschlossen viele Staaten Hilfsprogramme in Milliardenh\u00f6he. Die entsprechenden\nBudgets sind von den Parlamenten inzwischen best\u00e4tigt worden. Nun steht das\nGeld bereit, von den Beh\u00f6rden ausgegeben zu werden. Wenn ein Konsument f\u00fcr\nseinen privaten Einkauf Geld ausgibt, dann kauft er preisbewusster ein als ein\nstaatlicher Eink\u00e4ufer. Letzterer kauft nicht mit seinem eigenen Geld ein, da\nkann er sich grossz\u00fcgiger zeigen. Weil die Produzenten solche Mechanismen\nkennen, werden sie die Gelegenheit nutzen, im Kontakt mit offiziellen Stellen\nh\u00f6here Preise verlangen und diese auch bezahlt bekommen. Somit k\u00f6nnen wir\nprognostizieren: Mehr Geld in staatlicher Hand f\u00fchrt ganz allgemein zu Preissteigerungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Was Bedeutet das f\u00fcr die Entwicklung der Wirtschaft?<\/p>\n\n\n\n<p>Die Notenbank-Chefs versuchen nicht grundlos, die Inflation\nals vor\u00fcbergehendes Ph\u00e4nomen darzustellen. Sie tun das verzweifelt, weil eine\nl\u00e4nger andauernde Inflation ihr geldpolitisches Kartenhaus zusammenbrechen\nl\u00e4sst. In der hehren Absicht, den Politikern Zeit f\u00fcr die notwendigen\nstrukturellen Reformen zu geben, fluteten sie den Geldmarkt und gleichzeitig\nmanipulierten sie die Zinskurve. Mit dem Quantitative-Easing-Programm dr\u00fcckten\nsie die Zinsen auf Staatsanleihen nahe an die Null-Prozent-Marke. Die Politiker\nverstanden das Signal und bl\u00e4hten unverz\u00fcglich die Staatsschulden auf. Mit dem\ngeliehenen Geld f\u00fchrten sie allerdings keineswegs strukturelle Reformen durch,\nsondern sie sicherten sich die W\u00e4hlergunst mit Geschenken an ihre W\u00e4hlerschaft.\nAls Folge dieser verheerenden Eingriffe stehen die meisten Staaten nun\nschlechter da als unmittelbar nach der Finanzmarkt- und Schuldenkrise. Nun kommt\nnoch die Covid-Krise dazu.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Notenbanken haben nun die Wahl zwischen kalter und\naufgew\u00e4rmter Scheisse, um in den Worten Bukowskis zu sprechen. Entweder sie\nsetzen ein Signal gegen die Inflation und erh\u00f6hen die Zinsen. Das bringt die\n\u00fcberschuldeten Staaten in die Krise. Oder sie lassen die Inflation treiben, was\nallerding bei der Bev\u00f6lkerung auf wenig Gegenliebe stossen wird. Menschliches\nVerhalten ist von Verlustaversion gepr\u00e4gt. Wenn die Bev\u00f6lkerung sieht, dass\nihre Ersparnisse wegschmelzen, wird das grossen Unwillen hervorrufen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie auch immer sich die Notenbank-Chefs entscheiden, in\njedem Fall wir uns eine \u00fcbelriechende Suppe angerichtet, welche wir dereinst ausl\u00f6ffeln\nm\u00fcssen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lange Zeit sind wir in den westlichen L\u00e4ndern von einer Inflation verschont geblieben. Das hat sich in diesem Jahr ge\u00e4ndert. Die Inflation werde nur von kurzer Dauer sein, versuchen uns die Chefs der Notenbanken zu beruhigen. 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