{"id":452,"date":"2025-02-14T14:02:29","date_gmt":"2025-02-14T14:02:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.aktion-hip.ch\/blog\/?p=452"},"modified":"2025-02-14T14:02:29","modified_gmt":"2025-02-14T14:02:29","slug":"asperger-muster-geduld-statt-rucksicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.aktion-hip.ch\/blog\/?p=452","title":{"rendered":"Asperger-Muster: Geduld statt R\u00fccksicht"},"content":{"rendered":"\n<p>In einer Szene des Films \u00abA Beautiful Mind\u00bb steht der Protagonist mit seiner Freundin in einer wolkenlosen Nacht auf einem H\u00fcgel. Die Freundin weist den Protagonisten auf ein gut sichtbares Sternbild hin. Dieser zeigt darauf der Freundin auf verschiedene Stellen des Sternenhimmels, wo diese Muster ebenfalls sichtbar ist.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Der Film \u00ab<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/A_Beautiful_Mind_(film)\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/A_Beautiful_Mind_(film)\">A Beautiful Mind<\/a>\u00bb handelt von John Nash, dem genialen Mathematiker und Begr\u00fcnder der Spieltheorie. Der Film zeigt Nashs Leben und sein Leiden an der Schizophrenie. Doch Nashs Leben ist nicht nur durch diese Krankheit gepr\u00e4gt. In verschiedenen Szenen, vom Hauptdarsteller gut gespielt, wird deutlich, dass Nash auch eine Asperger-Person war. Diesen Befund best\u00e4tigen diverse <a href=\"https:\/\/www.researchgate.net\/publication\/276059518_Did_Nobel_Prize_Winner_John_Nash_have_Asperger's_syndrome_and_Schizophrenia\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.researchgate.net\/publication\/276059518_Did_Nobel_Prize_Winner_John_Nash_have_Asperger's_syndrome_and_Schizophrenia\">wissenschaftliche Artikel<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Erkennen von Mustern ist eine typische St\u00e4rke von Asperger-Personen. Im Film verbl\u00fcfft Nash mit dieser F\u00e4higkeit nicht nur seine Freundin unter dem Sternenhimmel, sondern auch Kryptologen, wenn er in Zahlenreihen Muster erkennt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiteres Merkmal von Asperger-Personen ist ihr eigent\u00fcmliches Sozialverhalten. Ich w\u00fcrde dieses Sozialverhalten als \u00abzur\u00fcckgeblieben\u00bb bezeichnen. Ein 16-j\u00e4hriger Jugendlicher mit Asperger verh\u00e4lt sich wie ein 12-j\u00e4hriger. Das ist nicht unbedingt problematisch, aber doch seltsam. Es ist, als ob Asperger-Jugendliche eingeschr\u00e4nkt w\u00e4ren in ihrer F\u00e4higkeit, soziales Verhalten zu erlernen.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Hypothese widerspricht dem Befund, dass Asperger-Personen speziell gut darin sind, Muster zu erkennen. Sozialverhalten besteht aus Mustern, die man lesen und interpretieren muss, um das Gegen\u00fcber in der sozialen Interaktion verstehen zu k\u00f6nnen. Das ist analog zu Texten, die man versteht, indem man Buchstabenanordnungen liest und interpretiert. Warum sind Asperger-Personen behindert, wenn es um ihre F\u00e4higkeit geht, die Muster in der sozialen Interaktion zu lesen?<\/p>\n\n\n\n<p>Der Grund d\u00fcrfte sein, dass die Muster in der sozialen Interaktion viel schwieriger zu kategorisieren sind. Ich kann erkennen, dass mir eine andere Person einen Blick zuwirft. Ist es aber ein freundlicher Blick, ein neugieriger, ein abtastender oder ein absch\u00e4tziger Blick? Der Kontext macht einen grossen Unterschied: ist die andere Person ein Mann oder eine Frau, ist sie aus der gleichen oder einer anderen Generation? M\u00f6glicherweise sieht eine Asperger-Person viel zu viele Muster und verliert sich in ihren Kombinationen, w\u00e4hren eine normale Person nach kurzer Zeit zu einem Befund kommt und eine Reaktion zeigt. Ein Verhaltensmuster entwickelt sich aus den Reaktionen in den sozialen Interaktionen. Wenn Asperger-Personen nicht f\u00e4hig sind, zu einem Schluss zu kommen, bleibt eine Reaktion aus. Das ist nicht gerade hilfreich. Oder sie fallen auf alte, kindliche Verhaltensmuster zur\u00fcck, wenn sie sich gezwungen f\u00fchlen, eine Reaktion zu zeigen. Ein bisschen auff\u00e4llig, ein wenig zur\u00fcckgeblieben, nicht schrecklich, eher kindisch halt. In jedem Fall ist das kein Sozialverhalten, das dem betroffenen Jugendlichen hilft, weder in der Peergruppe noch bei den ersten Kontakten mit dem anderen Geschlecht.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute sind die Institutionen schnell bereit, einem Kind eine Asperger-Diagnose auszustellen. Doch nicht immer ist eine solche Diagnose hilfreich. Vor allem von besorgten Eltern wird eine Erkl\u00e4rung schnell als Entschuldigung eingesetzt: \u00abDas Kind hat nichts daf\u00fcr, es ist halt so\u00bb. Und schnell kommt der Anspruch, dass man auf das Asperger-Kind oder den Asperger-Jugendlichen R\u00fccksicht nehmen soll. Das ist keine gute Idee, zumindest nicht, wenn das Kind normal intelligent ist. Wenn Asperger-Personen M\u00fche haben, das Verhaltensmuster ihrer Gegen\u00fcber zu lesen, dann hilft Schonung nicht weiter. Im Gegenteil: Asperger-Personen m\u00fcssen h\u00e4ufiger solchen Situationen ausgesetzt werden. Sie brauchen mehr M\u00f6glichkeiten, solche Muster zu lesen. Sie brauchen mehr Gelegenheiten, ihre Reaktionen zu entwickeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Asperger-Jugendliche m\u00fcssen kritisiert werden, wenn sie ein Verhalten zeigen, welches nicht ihrem Alter entspricht. Sie m\u00fcssen erfahren, dass nicht jedes Verhalten normal ist und dass gewisse Verhaltensweise eine Gruppe belasten. Dann werden sie auch erfahren, dass sie sich verbessern k\u00f6nnen und dass sich das lohnt, weil sie Dank solchen Verbesserungen besser in der Gruppe aufgehoben sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Asperger-Jugendlicher braucht also Geduld, keine R\u00fccksicht. Nur so kann er ein Sozialverhalten entwickeln, welches f\u00fcr das Funktionieren in der Gruppe notwendig ist.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einer Szene des Films \u00abA Beautiful Mind\u00bb steht der Protagonist mit seiner Freundin in einer wolkenlosen Nacht auf einem H\u00fcgel. Die Freundin weist den Protagonisten auf ein gut sichtbares Sternbild hin. Dieser zeigt darauf der Freundin auf verschiedene Stellen des Sternenhimmels, wo diese Muster ebenfalls sichtbar ist.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[26],"tags":[],"class_list":["post-452","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-asperger"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.aktion-hip.ch\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/452","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.aktion-hip.ch\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.aktion-hip.ch\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.aktion-hip.ch\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.aktion-hip.ch\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=452"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.aktion-hip.ch\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/452\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":454,"href":"https:\/\/www.aktion-hip.ch\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/452\/revisions\/454"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.aktion-hip.ch\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=452"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.aktion-hip.ch\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=452"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.aktion-hip.ch\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=452"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}