{"id":89,"date":"2010-06-07T19:18:56","date_gmt":"2010-06-07T17:18:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.aktion-hip.ch\/blog\/?p=89"},"modified":"2010-06-07T19:18:56","modified_gmt":"2010-06-07T17:18:56","slug":"handys-in-afrika-und-das-vorsorgeprinzip","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.aktion-hip.ch\/blog\/?p=89","title":{"rendered":"Handys in Afrika und das Vorsorgeprinzip"},"content":{"rendered":"<p><em>In der Mai-Ausgabe 2010 des NZZ Folios findet sich ein aufschlussreicher Artikel &#8220;<a href=\"http:\/\/www.nzzfolio.ch\/www\/d80bd71b-b264-4db4-afd0-277884b93470\/showarticle\/837a0a29-5843-4e42-ba0d-a9d091d82e80.aspx\">Viehhandel per SMS<\/a>&#8221; (von Markus Haefliger) \u00fcber die erstaunliche Verbreitung, die das Handy in Afrika gefunden hat. Der Autor zeigt den grossen Nutzen an, welcher der Gebrauch der Mobil-Telefonie f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung gebracht hat:<\/em><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<ul>\n<li>Mit dem Handy kann Geld transferiert werden, was sich auch f\u00fcr sehr kleine Summen noch lohnt. Damit entfallen die aufwendigen und unsicheren \u00dcberweisungen per Geldbote.<\/li>\n<li>Kenianische Bauern k\u00f6nnen ihr Saatgut versichern lassen. Bei einem Ernteausfall wegen D\u00fcrre oder anderen Katastrophen k\u00f6nnen sich solcherart versicherte Bauern f\u00fcr die n\u00e4chste Ernteperiode zumindest wieder gleichwertiges Saatgut leisten. Dies stellt eine kleine, aber wirkungsvolle Massnahme gegen den Teufelskreis dar, welcher als Folge einer D\u00fcrre droht. Die Versicherung wird per SMS abgeschlossen.<\/li>\n<li>Die Fischer in Kenia k\u00f6nnen, mit einem Handy ausger\u00fcstet, ihren Fang schon auf dem Boot w\u00e4hrend der R\u00fcckfahrt verkaufen. Sie sparen so den Zwischenhandel und damit Kosten von rund einem Drittel der Tageseinnahmen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die wenigen Beispiele zeigen: Der Nutzen der Mobiltelefonie in Kenia ist fl\u00e4chendeckend. Kenia ist ein Entwicklungsland, aber 95% der Bev\u00f6lkerung leben im Empfangsbereich eines Telefonnetzes, die Durchdringung der Mobiltelefonie wird auf 50% gesch\u00e4tzt.<\/p>\n<p>Wenn in den Industriel\u00e4ndern \u00fcber Mobiltelefonie diskutiert wird, so ist meistens nicht vom Nutzen die Rede, sondern vom Schaden. Der mediale Dauerbrenner in diesem Zusammenhang ist die Handystrahlung. Seit es Mobiltelefone gibt, bewegt die Sorge um die m\u00f6glichen Gesundheitssch\u00e4den durch die Handystrahlung die Bev\u00f6lkerung. Die Strahlenbelastung ist im Verlauf der Jahre, dank dem immer engeren Antennennetz und auch dank den strengen Vorgaben f\u00fcr die Mobilger\u00e4te, deutlich gesunken. Diverse wissenschaftliche Studien haben schon versucht, einen Zusammenhang zwischen Gesundheitssch\u00e4den und Mobiltelefonie zu finden. Bisher konnte keine solcher Beziehung nachgewiesen werden.<\/p>\n<p>Mobiltelefonie ist ein typisches Produkt des technologischen Wandels der neusten Zeit. Grosse Teile der Bev\u00f6lkerung in den Industriestaaten stehen technologischen Innovationen \u00e4usserst reserviert gegen\u00fcber. Diese Technologie-kritischen Haltung kristallisiert in gewisser Weise im <em>Vorsorgeprinzip<\/em>. Dieses verlangt, dass eine potenziell umweltbelastende Verhaltensweise unterbunden werden soll, wenn deren Umweltsch\u00e4dlichkeit denkbar oder zumindest nicht unwahrscheinlich ist. Im Namen des Vorsorgeprinzips wird explizit eine Umkehr der Beweislast gefordert: Es sind die Hersteller, die beweisen m\u00fcssen, dass ihre Produkt-Innovationen unbedenklich sind.<\/p>\n<p>Am Beispiel der Handy-Nutzung in Kenia l\u00e4sst sich sch\u00f6n zeigen, wie verfehlt dieses Vorsorgeprinzip ist. H\u00e4tte eine &#8220;Vorsorgeinstanz&#8221; vor 10 oder 15 Jahren entscheiden m\u00fcssen, ob die Mobiltechnologie erlaubt werden solle: auf Grund von welchen \u00dcberlegungen h\u00e4tte diese entscheiden sollen? Vor 10 oder 15 Jahren war der immense Nutzen, den die Mobiltelefonie f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung in Kenia (und anderen afrikanischen L\u00e4ndern) bringt, in keiner Weise absehbar. Schon von Anfang an war aber die Gefahr der Handystrahlung ein Diskussionsthema. So wenig, wie heute bewiesen werden kann, dass Handystrahlung keine gesundheitliche Gef\u00e4hrdung darstellt, so wenig war das vor 10 Jahren der Fall. Das einzige, was festgestellt werden kann, ist, dass keine gesundheitlichen Sch\u00e4den aufgrund der Strahlenbelastung durch die Mobiltelefonie nachgewiesen werden konnten. F\u00fcr das Vorsorgeprinzip gen\u00fcgt das allerdings nicht. Gem\u00e4ss dem Vorsorgeprinzip h\u00e4tte demnach die Ausbreitung der Mobiltechnologie gestoppt werden m\u00fcssen. Damit w\u00e4re aber der beachtliche Entwicklungsschub, der in Kenia durch ebendiese Technologie m\u00f6glich geworden ist, verhindert worden.<\/p>\n<p>Dieses Beispiel zeigt deutlich: Das Vorsorgeprinzip ist ein untaugliches Instrument, um das Potential und die Gefahren von technologischen Innovationen in den Griff zu bekommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Mai-Ausgabe 2010 des NZZ Folios findet sich ein aufschlussreicher Artikel &#8220;Viehhandel per SMS&#8221; (von Markus Haefliger) \u00fcber die erstaunliche Verbreitung, die das Handy in Afrika gefunden hat. 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