Die Gegner der 10-Millionen-Initiative weisen unter anderem darauf hin, dass der Wohlstand in der Schweiz gefährdet ist, wenn die Initiative angenommen wird.
So begründet beispielsweise der Bundesrat seine Ablehnung mit diesem Argument. Auch die Zürcher Handelskammer und eine Allianz aus Politik und Wirtschaft warnen mit dieser Begründung.
Diese Argumentation ist naheliegend und nachvollziehbar. Die Personen, welche aus dem EU-Raum einwandern, sind mehrheitlich gut ausgebildet und kaufkräftig. Damit stützen sie einerseits die Nachfrage in der Schweiz, was allgemein der Wirtschaft nützt. Andererseits helfen sie, die Lücken bei den Arbeitskräften zu schliessen, speziell im hochproduktiven und exportorientierten Bereich der Wirtschaft.
Allerdings ist dieses Argument nicht unbedingt überzeugend.
Es ist schon viele Jahre her, seit wir in der Schweiz eine richtige Wirtschaftskrise erlebten. Nur wenige können sich noch vorstellen, was es bedeutet, wenn die Perspektiven unsicher werden und der Wert des Einkommens und Vermögens schwindet.
Dazu kommt etwas anderes. Wenn die Bevölkerung sieht, wie verschwenderisch mit ihren Steuergeldern umgegangen wird (siehe z.B. die Kampagnen des Eidgenössische Gleichstellungsbüros oder der Stadt Zürich zur Gewaltprävention), dann bekommt der Hinweis, dass die Initiative negative Folgen für das Wirtschaftswachstum haben kann, plötzlich ein anderes Gesicht.
Die wuchernde Verwaltung wird von vielen als problematisch wahrgenommen und alle wissen, dass diese Verwaltung mit Steuergeldern finanziert wird. Wenn die Verwaltung stärker wächst als die Wirtschaft, so irritiert das die Bevölkerung. Der Eindruck entsteht, dass die Verwaltung überproportional vom Wirtschaftswachstum profitiert, auf Kosten anderer Bevölkerungskreise. Wenn darüber hinaus alle politischen Bemühungen, dieses Verwaltungswachstum zu zügeln, erfolglos bleiben, dann wird eine Wirtschaftskrise plötzlich zu einem Hebel, dem Wachstum der Verwaltung einen Riegel schieben zu können.
Vor einem solchen Hintergrund wirkt die Warnung vor einer wirtschaftlichen Abschwächung alles andere als abschreckend.