Deepfakes – Ceci n’est pas une pipe


Deepfakes sind alltäglich geworden. In einem NZZ-Interview bezeichnet die Juristin Jutta Oberlin Deepfakes als digitale Gewalt. Mir ist allerdings nicht klar, was damit gemeint ist.

Jedes Bild, welches digital verfügbar ist, kann heute beliebig gefälscht werden. Das kann dann problematisch erscheinen, wenn sie Personen in beschämenden Situationen zeigen, beispielsweise Frauen oder Mädchen in pornografischen Darstellungen. Bekannt geworden ist dieses Jahr der Fall von Collien Fernandes. Gemäss ihrer Darstellung werden Deepfakes gezielt eingesetzt, um Menschen zu sexualisieren, zu diskreditieren oder zu manipulieren.

Oft wird in solchen Fällen der Vergleich mit Gisèle Pelicot gezogen. Bekanntlich wurde Gisèle Pelicot über Jahre von ihrem Mann betäubt und danach von ihm und anderen Männern vergewaltigt und dabei auch gefilmt. Den Prozess gegen die gewalttätigen Männer begründete Gisèle Pelicot mit dem berühmt gewordenen Satz “Die Scham muss die Seite wechseln”.

Ich finde es grotesk, wenn sich Frauen, von welchen mit KI erstellte Nacktbilder veröffentlich worden sind, mit Gisèle Pelicot vergleichen. In meinen Augen ist es ein grosser Unterschied, ob ich von einer Person misshandelt werde oder ob diese Misshandlung einem Bild von mir geschieht.

Es gibt zwei Punkte, welche im Zusammenhang mit Deepfakes relevant sind. Der erste Punkt hat der Maler René Magritte in seinem Bild «La Trahison des images» vor rund 100 Jahren auf den Punkt gebracht. Die Pfeife und das Bild der Pfeife sind nicht dasselbe: «Ceci n’est pas une pipe». Wer meint, die Misshandlung eines Bildes einer Person habe irgendwelche Wirkung auf die abgebildete Person, glaubt an Voodoo.

Im zweiten Punkt geht es darum, eine Person in einer beschämenden Situation darzustellen und dieses Bild zu veröffentlichen. Ich kann allerdings nicht nachvollziehen, wie das zu einem Problem werden kann. Wir wissen alle, dass heute Bilder beliebig gefälscht sein können. Der Wahrheitsgehalt von Bildern ist verschwunden. Folgerichtig hat ein Bild von einer Person oder einer Situation keinerlei Beweiskraft mehr. Somit stellt sich die Frage: wie soll ein Bild einer Person, welches wahrscheinlich gefälscht ist, diese Person beschämen können?

Im Interview mit Jutta Oberlin wird behauptet, dass digitale Gewalt in besonderem Masse Frauen betreffe, die im Rampenlicht stehen. Jutta Oberlin weist in der Folge darauf hin, dass es auch von Donald Trump Deepfake-Videos gäbe, was diesem wahrscheinlich egal ist.

Genau darum geht es: der beste Schutz vor Deepfake-Videos ist, dass es den betroffenen Personen egal ist.

Subkutan


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