Kürzlich hatte ich eine Interaktion mit einem KI-Chatbot, die mich vollumfänglich zufriedenstellte.
Bei der Interaktion mit dem Chatbot ging es um ein Problem mit einer Webseite, welche ich betreue. Für den Betrieb dieser Webseite habe ich einen virtuellen Server gemietet, auf welchem Linux läuft und den ich mit meinem WCMS und einem Apache-Webserver eingerichtet hatte. Für über ein Jahr liefe die Webseite einwandfrei. Vor einer Woche richtete der Hosting-Anbieter eine neue Funktion ein, welche ich für meine Webseite ebenfalls aktivierte. Allerdings mit der Folge, dass an Stelle meiner Webseite die Einstiegsseite des Hosting-Anbieters angezeigt wurde.
Kein zufriedenstellender Zustand! Vor allem auch, weil ich keine Ahnung hatte, wo genau nun das Problem lag.
Ich wusste allerdings, auf Grund von früheren Erfahrungen, dass der Hosting-Anbieter eine gute Kundenunterstützung bietet. Ich hatte auch den Eindruck, dass der Anbieter hochprofessionell arbeitet. Entsprechend war ich nicht verwundert, als ich auf der Supportseite einen Chatbot vorfand, der sich anbot, mein Problem zu lösen.
Über dem Prompt schilderte ich dem Chatbot mein Problem und gab den notwendigen Kontext (Linux, Apache, WCMS). Vom Chatbot bekam ich in der Folge einige Kommandozeilen-Befehle, mit welchen ich den Zustand der Webseite auf dem Server analysieren konnten. Ich bin kein Linux-Spezialist, kenne mich aber genug gut aus, um abschätzen zu können, ob die Befehle Sinn machten. Ich konnte mit allen Anweisungen des Chatbots etwas anfangen und die Antworten, welche ich vom Linux-Server bekam, an den Chatbot zurückgeben. So analysierten wir Schritt für Schritt den Serverzustand, zuerst, ob der Apache-Webserver korrekt läuft, danach den Zustand der Web-Anwendung. Ziemlich rasch kamen wir auf die Webserver-Konfiguration, genauer auf die Redirects.
Der Apache-Webserver ist grundsätzlich einfach einzurichten. Allerdings nur, wenn er gemäss einem Standard läuft. Sobald er mit einer Webanwendung funktionieren soll, wird es kompliziert. Mir jedenfalls bereitet es immer Bauchschmerzen, mit den Redirects den Webserver so einzustellen, dass er wie erwartet mit der auf dem Server installierten Web-Anwendung funktioniert.
Ebenso wie mir war dem Chatbot bekannt, dass diese Redirects ein Problem sein können. Deshalb gingen wir als Nächstes Schritt für Schritt durch die Konfiguration der Redirects. Als erstes bekam ich vom Chatbot einige Hinweise für passende Redirects. Diese überzeugten mich allerdings nicht, weil in meinem Fall die Web-Anwendung zusätzliche Anforderungen stellte. Deshalb liess ich meine Redirects vom Chatbot analysieren. Dieser bestätigte die Korrektheit dieser Anweisungen. In der Folge gab er mir weitere Kommandos, mit welchen ich prüfen konnte, ob meine Webseite von aussen angesprochen werden konnte. Mit diesen Hinweisen kamen wir zum Schluss, dass mein Linux-Server und die darauf installierten Anwendungen völlig korrekt liefen und stattdessen ein falscher Eintrag bei der DNS das Problem sein musste.
Mit dieser Erkenntnis konnten wir das Problem nun innert kürzester Zeit lösen. Ich bekam vom Chatbot den Hinweis, wie ich den sogenannten A- und AAAA-Record einstellen musste. Kurze Zeit später war meine Webseite wieder online.
Was ist meine Erkenntnis aus dieser Interaktion mit dem KI-Chatbot?
Der Austausch mit einem Chatbot nimmt Stress weg und senkt deshalb die Hürden. Weil ich weiss, dass auf der anderen Seite ein geduldiger Chatbot sitzt, kann ich beliebig oft möglicherweise dumme Fragen stellen, in diesem Fall rund zwei Stunden lang. Im Austausch mit einem Chatbot brauche ich keine Rücksicht zu nehmen. Nicht jeder Chatbot arbeitet kompetent, aber jeder ist freundlich, weil er entsprechend trainiert worden ist.
Wäre dagegen eine Person aus einer Support-Abteilung auf der anderen Seite, hätte ich mich unwohl gefühlt. Ein technischer Austausch, der um die zwei Stunden dauert, ist enorm ermüdend, für beide Seiten. Rückblickend auf die Erfahrung mit dem Chatbot wüsste ich nicht, was eine technisch versierte Fachperson besser hätte machen können. Die Interaktion war in jedem Schritt zielführend. Beim Austausch mit einer realen Person wäre aber in jedem Schritt die Frustration gestiegen: «Schon wieder kein Erfolg!» – «Müssen wir das jetzt auch noch ausprobieren?» …
Mit anderen Worten: ein Chatbot, welcher über die Unterlagen und Dokumenten des jeweiligen Anbieters in Kenntnis gesetzt worden ist, ist heute schon einer Support-Abteilung deutlich überlegen. Ein Dienstleister, welcher seinen Kunden einen solchen Chatbot anbieten kann, bietet seinen Kunden einen besseren Service an. Ein starkes Verkaufsargument!